Dekarbonisierung: Jetzt Klimaschutzmaßnahmen ergreifen

Veröffentlicht 17 Oktober 2023

Es gibt derzeit sicherlich nichts Dringlicheres als die Dekarbonisierung – für Regierungen, für unsere Gesellschaft und für Unternehmen.

WAS IST DEKARBONISIERUNG?

Als Dekarbonisierung bezeichnen wir die Bemühungen, die von Unternehmen und Menschen im Alltag verursachten Kohlenstoffemissionen zu reduzieren und letztendlich zu eliminieren. Das ist ein sehr wichtiges Ziel: CO2 und andere in der Atmosphäre befindliche Treibhausgase verursachen einen weltweiten Temperaturanstieg, Wetterextreme, eine Verknappung der natürlichen Ressourcen und den Verlust an Biodiversität.

EIN REGELRAHMEN FÜR DIE DEKARBONISIERUNG

Das Pariser Klimaschutzabkommen, das 2015 von mehr als 180 Staaten unterzeichnet wurde, hat einen weltweiten Rahmen für die Dekarbonisierungsziele vorgegeben, die wir erreichen müssen. Darin ist Folgendes vereinbart:

  • Notwendigkeit, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau – und idealerweise auf 1,5 °C – zu beschränken. Der UN-Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) stellt fest, dass bei einer Erderwärmung um mehr als 1,5 °C die Auswirkungen des Klimawandels auf das menschliche Wohlergehen und das Ökosystem unseres Planeten schwerwiegend und in einigen Fällen unumkehrbar sein werden.
  • Festlegung des weltweiten Ziels von Net Zero bis 2050 – und zwar durch Reduzierung der Kohlenstoffemissionen um 90 % und Entfernung der Restemissionen aus der Atmosphäre.
  • Festlegung eines Zwischenziels – Verringerung der Emissionen um 50 % bis 2030.

Das Pariser Klimaschutzabkommen war der Moment, in dem aus dem internationalen Konsens über den vom Menschen verursachten Klimawandel etwas Konkreteres wurde: ein Plan zur Bewältigung des Problems. Ein weltweiter „Fahrplan“ für Maßnahmen, die dann für jedes Land, jeden Sektor, jedes Unternehmen und jeden Einzelnen ausgestaltet werden konnten.

Es gibt zwei Wege zur Dekarbonisierung: Kohlenstoffreduzierung und Kohlenstoffentzug.

Kohlenstoffreduzierung

Die Reduzierung der Kohlenstoffemissionen – letztlich auf Null – erfordert eine Abkehr von fossilen Brennstoffen, eine Änderung landwirtschaftlicher Praktiken und die Erhaltung von Wäldern und natürlichen Kohlenstoffsenken. Das bedeutet, dass kohlenstofffreie, erneuerbare Energiequellen wie Wind-, Sonnen- und Wasserkraft, Erdwärme und Biomasse eingesetzt werden müssen.

Kohlenstoffzentzug

In der Zwischenzeit sind für den Entzug des bereits vorhandenen Kohlenstoffs aus der Atmosphäre Methoden und Technologien zur Abscheidung von Kohlenstoff (als „Kohlenstoffentzug“ bezeichnet) erforderlich. Diese reichen von Nature Based Solutions wie Wiederaufforstungund Erhaltung bereits vorhandener natürlichen Kohlenstoffsenken bis hin zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (Carbon Capture and Storage, CCS) und der Entwicklung von Technologien zur direkten Abscheidung aus der Luft.

Es gibt viele Möglichkeiten, und wir brauchen jede verfügbare Lösung, um unsere globalen Ziele zu erreichen.

Nachfolgend gehen wir näher darauf ein, was Dekarbonisierung auf globaler und nationaler Ebene sowie für einzelne Sektoren und Unternehmen bedeutet.

Paris: Vom Abkommen zu konkreten Massnahmen

Dekarbonisierung auf nationaler Ebene

Wie lässt sich das Pariser Klimaschutzabkommen in den einzelnen Unterzeichnerstaaten in konkrete Maßnahmen zur Dekarbonisierung umsetzen?

Zunächst waren die Regierungen verpflichtet, die im Abkommen vereinbarten Ziele zur Verringerung der Treibhausgasemissionen in national festgelegte Beiträge (NDCs) umzusetzen.

NDCs sind nationale Pläne zur Dekarbonisierung der Wirtschaft und Gesellschaft eines Landes. Sie sind in der Regel auf die fünf zentralen Pfeilern einer Wirtschaft ausgerichtet

  • Energie
  • Transportwesen
  • Landnutzung
  • Bebaute Umwelt und
  • Verarbeitende Industrie

    Es gibt jedoch keine formale Struktur für NDCs, sodass jedes Land auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlichem Grad an Detail an die Ausgestaltung seiner NDCs herangegangen ist.

    Die NDCs müssen alle fünf Jahre aktualisiert und der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNCCC) erneut vorgelegt werden, wobei ihre Dekarbonisierungsziele schrittweise erhöht werden. Auf diese Weise kann die UNFCCC die weltweit erzielten Fortschritte auf dem Weg zu den Pariser Klimaschutzzielen mithilfe einer „globalen Bestandsaufnahme“ nachverfolgen.

    Dekarbonisierung auf Sektoraler Ebene

    Dekarbonisierungsziele und -pläne werden international, von einzelnen Regierungen und – wie wir im nächsten Abschnitt sehen werden – von Unternehmen aufgestellt.

    Für bestimmte Sektoren mit hohem Emissionsausstoß stellt die Verringerung der Emissionen angesichts der Art ihrer Tätigkeit und der Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen eine echte Herausforderung dar. Dazu gehören:

    • Öl und Gas. Die Überwindung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen ist für eine Branche, die auf Gewinnung, Verarbeitung und Verkauf dieser fossilen Energieträger basiert, problematisch. Öl- und Gasproduzenten investieren erhebliche Summen in erneuerbare Alternativen, dennoch machen fossile Brennstoffe noch immer 82 % des weltweiten Energieverbrauchs aus.
    • Zement, Beton und Stahl. Dies sind extrem kohlenstoffintensive Produkte, und zwar aus zwei Gründen: zum einen erfordert ihre Herstellung bei extrem hohen Temperaturen sehr viel Energie, und zum anderen werden bei den damit verbundenen chemischen Prozessen riesige Mengen an Kohlenstoff freigesetzt. Dennoch sind diese Werkstoffe für die bebaute Umwelt unverzichtbar und daher nur schwer zu ersetzen.
    • Transportwesen. Im kommerziellen Flugverkehr, in der Schifffahrt und im Transportwesen werden große Mengen erdölbasierter Kraftstoffe verwendet. Die Abkehr davon wird ein langsamer Prozess sein, denn der Zugang zu nachhaltigem Flugkraftstoff in großem Maßstab liegt noch in weiter Ferne, und in der Zwischenzeit steigt die weltweite Nachfrage in den Bereichen Reisen und Transport.
    • Finanzdienstleistungen. Durch Kredite, Direktinvestitionen und den Handel mit Rohstoffen und Finanzinstrumenten finanziert der Finanzsektor Kohlenstoff produzierende kommerzielle Aktivitäten von Unternehmen weltweit.

    Herausforderungen der Dekarbonisierung auf sektoraler Ebene

    Unternehmen in diesen Branchen stellt die Dekarbonisierung vor enorme Herausforderungen. Das Erreichen von Net Zero bedeutet, dass sie ihre Produkte und Dienstleistungen, ihre Herstellungs- und Produktionsverfahren, ihre Vertriebsmethoden und in einigen Fällen auch ihre Geschäftsmodelle von Grund auf umstellen müssen.

    Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei den Unternehmen in diesen Sektoren häufig um multinationale Unternehmen handelt. Sie müssen die Dekarbonisierungsziele und -pläne vieler verschiedener Länder berücksichtigen. 

    Und die Dekarbonisierungstechnologie, die zusätzlich zu den erneuerbaren Energiequellen zur Schaffung einer Netto-Null-Wirtschaft beitragen soll, befindet sich noch in der Entwicklungsphase. 

    Elektrifizierung oder Wasserstoff sind noch nicht in der Lage, unseren globalen Reise- und Transportbedarf zu decken, und daher sind Flugzeuge, Schiffe und der Straßentransport weiterhin auf fossile Brennstoffe angewiesen.

    Die Kohlenstoffabscheidung (Carbon Capture, CC) steckt noch in den Kinderschuhen, und es wird nach ihrer Einführung noch einige Zeit dauern, bis sie im erforderlichen Umfang nutzbar ist. Solange sich diese Technologien noch in der Entwicklungsphase befinden, können wir uns nicht darauf verlassen, dass sie die Antwort auf den Klimawandel sind, und wir müssen uns bei unserer Arbeit hauptsächlich auf die Reduzierung der Emissionen konzentrieren.

    Dekarbonisierung auf Unternehmensebene

    Vor dem Hintergrund des Pariser Klimaschutzabkommens haben viele Regierungen auf der ganzen Welt Vorschriften, finanzielle Sanktionen und steuerliche Anreize eingeführt, um Unternehmen zur Verringerung ihrer Klimaauswirkungen zu bewegen. Die Anforderungen an die Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichterstattung steigen weltweit durch Initiativen wie die Task Force on Climate Related Financial Disclosure (TCFD), neue Richtlinien der Securities and Exchange Commission (SEC) in den USA und die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) in Europa.

    Staatliche Interventionen sind jedoch bei weitem nicht der einzige Grund für Unternehmen, Strategien zur Dekarbonisierung umzusetzen. Ihre Stakeholder – im weitesten Sinne des Wortes – fordern dies von ihnen ein.

    Nachhaltigkeit muss kein Scheideweg sein; sie kann die richtige Wahl für unseren Planeten und für das Unternehmen sein.
    Kristen Siemen | Nachhaltigkeitsbeauftragte, General Motors

    Kunden, Mitarbeiter, Investoren, Regierungen und die Gesellschaft insgesamt wollen wissen, was Unternehmen tun, um ihre Emissionen zu reduzieren und ihre Umweltauswirkungen zu minimieren.

    Dieser Druck kann die gesellschaftliche Akzeptanz ihres Handelns hinterfragen, denn sowohl Regierungen und als auch die Bevölkerung lehnen umweltschädliche Geschäftspraktiken zunehmend ab.

    Mittlerweile möchten auch Investoren die Klimarisiken eines Unternehmens kennen, bevor sie ihr Geld in das Unternehmen investieren.

    Darüber hinaus möchten sie sehen, wie sich das Unternehmen sich mit diesen Bedrohungen auseinandersetzt – durch entsprechende Governance- und Risikomanagement-Rahmenwerke sowie Resilienz- und Dekarbonisierungspläne.

    Die Prioritäten der Investoren lenken die Aufmerksamkeit der Unternehmensvorstände auf das Thema Dekarbonisierung.

    Unternehmen gehen die Herausforderungen der Nachhaltigkeit an, wie sie auch die Unternehmensführung angehen – sie legen Ziele und Leistungsindikatoren fest, operationalisieren Ziele, tätigen Investitionen und teilen ihre Fortschritte transparent mit.
    Roger Martella | Nachhaltigkeitsbeauftragter, GE

    Unser fünfter Jahresbericht über die Verpflichtungen der weltgrößten Unternehmen zum Klimaschutz zeigt auf, was führende Unternehmen im Bereich Klimaschutz tun, um echte Emissionsreduktionen zu erreichen. Dazu ergreifen sie folgende Maßnahmen:

    Strikte Messung und Berichterstattung

    • 76 % der Fortune-Global-500-Unternehmen berichten inzwischen über ihre Emissionen im Jahresvergleich.
    • Die verbleibenden 24 %, die keine Emissionsdaten berichten, sind im Rückstand, wenn es darum geht, die sich verschärfenden Vorschriften und Erwartungen der Investoren zu erfüllen.

    Bestimmung eines Ziels für 2030, um schnellere Fortschritte zu erzielen

    • Unternehmen, die sich Klimaziele für 2030 gesetzt haben, konnten ihre berichteten betrieblichen Emissionen im letzten Berichtsjahr um 7 % reduzieren, während Unternehmen ohne Ziel für 2030 einen Emissionsanstieg um 3 % zu verzeichnen hatten. 

    Ernennung eines Nachhaltigkeitsbeauftragten

    • Nachhaltigkeitsbeauftragte sind eine starke Kraft für den Klimaschutz, aber nur 43 % der Fortune-Global-500-Unternehmen haben einen Nachhaltigkeitsbeauftragten oder eine gleichwertige Rolle.
    • Wir haben herausgefunden, dass Unternehmen mit einem Nachhaltigkeitsbeauftragten (oder einem gleichwertigen Beauftragten) sich ihre Ziele für Kohlenstoffneutralitätund Net Zero zwischen drei bis sieben Jahre eher setzen als Unternehmen ohne einen solchen Beauftragten.

    Die Klimazusagen der Fortune-Global-500-Unternehmen beginnen jedoch zu stagnieren. Beim Vergleich unserer Berichte 2022 und 2023 ist die Zahl der Unternehmen, die Klimaverpflichtungen für 2050 eingegangen sind, nur um 3 % gestiegen, und bei den Zielen für 2030 war gar kein Anstieg zu verzeichnen.

    34 % sind noch gar keine Klimaschutzverpflichtungen eingegangen. Dabei zahlt sich eine Reduzierung der Emissionen sowohl in ökologischer als auch finanzieller Sicht aus. Unternehmen, die ihre berichteten Emissionen im Jahresvergleich reduziert haben, erwirtschafteten im Durchschnitt pro Unternehmen fast eine Milliarde Dollar mehr Gewinn als ihre Fortune-Global-500-Mitbewerber.

    Womit sollte ein Unternehmen auf dem Weg zur Dekarbonisierung beginnen?

    Die wichtigsten Schritte zur dekarbonisierung eines Unternehmens

    Die Dekarbonisierung kann als Herkules-Aufgabe erscheinen. Sie ist ein enormes Unterfangen für jedes Unternehmen, unabhängig von Größe oder Branche.

    Nachfolgend finden Sie fünf Schritte zur Erstellung eines aussagekräftigen Plans zur Reduzierung Ihrer Kohlenstoffemissionen. Auf diese Weise können Sie die Umgestaltung Ihres Unternehmens vorantreiben und die wachsenden Erwartungen der Stakeholder in Bezug auf Klimaschutzmaßnahmen erfüllen:

    1. Baseline bestimmen

    Der erste Schritt besteht darin, einen genauen Überblick über Ihren CO2-Fußabdruck zu erhalten, indem Sie eine glaubwürdige, vollständig berechnete Baseline erstellen.

    Wirksame Klimaschutzmaßnahmen müssen auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. The Greenhouse Gas Protocol (Treibhausgasprotokoll) ist der weithin akzeptierte globale Standard für die Messung von Kohlenstoffemissionen, sowohl aus Ihrer betrieblichen Tätigkeit als auch in der Wertschöpfungskette.

    Dabei müssen alle Emissionen berücksichtigt werden, die in der gesamten Wertschöpfungskette entstehen (Scope 3). Es reicht nicht aus, nur die Emissionen zu berücksichtigen, die „innerhalb der eigenen vier Wände“ des Unternehmens entstehen (Scope 1 & 2).

    Die Kenntnis Ihrer Ausgangssituation (Baseline) ist nicht nur für die Festlegung geeigneter Ziele und die Ausarbeitung eines Dekarbonisierungsplans unerlässlich. Sie ermöglicht es Ihnen auch, Emissions-„Hotspots“ zu identifizieren, die angegangen werden müssen, um die kohlenstoffintensivsten Komponenten Ihrer betrieblichen Tätigkeit und Ihrer Wertschöpfungskette zu reduzieren. Unternehmen sollten eine jährliche Messung ihrer Emissionen anstreben, um Veränderungen und neue Möglichkeiten zu erkennen.

    • Das GHG Protocol ist in Zusammenarbeit zwischen dem World Resources Institute und dem World Business Council for Sustainable Development entstanden und legt die globalen Bilanzierungs- und Berichterstattungssstandards für die Messung und Verwaltung von Treibhausgasemissionen fest.

      Regierungen, öffentliche Einrichtungen und Unternehmen nutzen diese Standards, um die von ihnen verursachten Emissionen und die Auswirkungen ihrer Klimaschutzmaßnahmen zu überwachen. Es ist das am häufigsten verwendete Rahmenwerk für die Emissionsberichterstattung.

    • Das Kernstück des GHG Protocol bildet eine Definition der verschiedenen Emissionsquellen, für die Unternehmen verantwortlich sind. Diese werden in drei Bereiche, sogenannte Scopes, eingeteilt (siehe Abbildung):

      • Scope 1 umfasst alle direkten Emissionen, die aus Quellen stammen, die das Unternehmen besitzt oder die von ihm kontrolliert werden, z. B. aus seinen Produktionsanlagen, seinem Fuhrpark, seinen Büros usw.
      • Scope 2 umfasst die indirekten Emissionen, die durch die Nutzung von eingekauftem Strom, Dampf, Wärme oder Kälte durch das Unternehmen entstehen. Die gesamten Scope-2-Emissionen eines Unternehmens hängen nicht nur davon ab, wie viel Energie es verbraucht, sondern auch von dem gekauften Energieträger-Mix (d. h. fossile Brennstoffe im Vgl. zu erneuerbaren Energien).
      • Scope 3 umfasst indirekte Emissionen, die aus der Wertschöpfungskette des Unternehmens stammen: aus Aktivitäten, die es nicht selbst durchführt oder kontrolliert. Im GHG Protocol werden Scope-3-Emissionen in 15 Kategorien eingeteilt. Sie machen in der Regel den größten Anteil an den Gesamtemissionen eines Unternehmens unter den drei Bereichen aus.

    2. Dekarbonisierungsziele festlegen

    Nachdem Sie Ihre Baseline bestimmt haben, können Sie Ihre Kohlenstoffreduktionsziele für 2030, bis 2050 und Zwischenziele auf dem Weg dorthin festlegen. Diese Ziele sollten realistisch, aber auch ehrgeizig sein: Wenn Sie nur die „tief hängenden Früchte" anpacken, werden Ihre Stakeholder das nicht akzeptieren.

    The Science Based Targets Initiative (SBTi) wurde ins Leben gerufen, um Unternehmen bei der Festlegung interner Reduktionsziele zu unterstützen, die mit dem globalen 1,5-Grad-Ziel in Einklang stehen. Sie hat für jeden Sektor einen Rahmen festgelegt, und Unternehmen können ihre Pläne von der SBTi validieren lassen. Die Verwendung eines glaubwürdigen Rahmenwerks wie der SBTi bei der Festlegung von Zielen hilft zu bestimmen, welche Schritte Sie bis wann ergreifen müssen. Die SBTi ist jedoch nicht für alle Unternehmen sowie Unternehmen aller Größen geeignet, von denen sich viele wissenschaftlich fundierte Ziele setzen, die nicht durch die SBTi geprüft wurden.

    • Die SBTI ist eine Partnerschaft zwischen vier internationalen Nachhaltigkeitsorganisationen: CDP, UN Global Compact, World Resources Institute und WWF.

      Die Initiative verfolgt folgende Ziele:

      • Definition und Förderung bewährter Praktiken bei der Festlegung von Net-Zero-Zielen und der Emissionsreduzierung – unter Berücksichtigung klimawissenschaftlicher Erkenntnisse.
      • Bereitstellung von technischer Unterstützung und Expertenressourcen für Unternehmen, die sich für wissenschaftlich basierte Reduktionsziele entscheiden.
      • Angebot einer unabhängigen, fachkundigen Bewertung und Validierung der Ziele, die sich Unternehmen gesetzt haben.

    3. Ihre Strategie und ihren Fahrplan erstellen

    Ihre Ziele bilden wiederum die Grundlage für Ihre Dekarbonisierungsstrategie.

    Diese unterscheidet sich natürlich von Unternehmen zu Unternehmen. Welchen Weg Sie einschlagen, hängt von Ihrem Sektor, Ihrem Produktangebot und -lebenszyklus, Ihren Geschäfts- und Betriebsmodellen, Ihrer Wertschöpfungskette und vielen anderen Faktoren ab.

    Nachdem Sie Ihre Strategie formuliert haben, können Sie einen detaillierten Fahrplan mit den zur Erreichung Ihrer Ziele erforderlichen Aktivitäten erstellen.

    Bei der Ausarbeitung Ihrer Strategie und Ihres Fahrplans müssen Sie gründlich prüfen, was getan werden muss, um die Emissionen in allen drei Bereichen (Scopes) zu reduzieren. Das bedeutet, dass Sie mit allen Abteilungen des Unternehmens zusammenarbeiten und alle Unternehmen, die Ihre Wertschöpfungskette bilden, einbeziehen müssen.

      4. Ihre ziele – und Ergebnisse – kommunizieren

      Da die Stakeholder die Dekarbonisierungsbemühungen Ihres Unternehmens genau unter die Lupe nehmen, sollten Sie Ihre Net-Zero-Ziele nach außen kommunizieren, sobald Ihre Strategie und Ihr Fahrplan feststehen.

      Außerdem wird erwartet, dass Sie regelmäßig über Ihre Fortschritte berichten. Sie können nicht nur eine Reihe von Verpflichtungen eingehen: Sie müssen nachweisen, was Sie tun, um diese zu erfüllen, und welche Ergebnisse Sie dabei erzielen. Wir setzen uns für echte Klimaschutzmaßnahmen ein, d. h. dafür, dass Sie nicht nur Verpflichtungen eingehen, sondern Ihre Emissionen tatsächlich reduzieren. So zeigen Sie Ihren Stakeholdern, dass Sie Ihren Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten.

      Gegenwärtig haben Unternehmen viele Möglichkeiten, ihre Klimaschutzmaßnahmen zu demonstrieren und zu kommunizieren. Da die Behauptungen von Unternehmen zunehmend extern überprüft werden, kann dies zu einer zögerlichen Kommunikation von Maßnahmen führen – auch bekannt als „Green Hushing“. Unser Whitepaper Landscape of Corporate Climate Claims befasst sich eingehend mit diesem Thema und bietet Unternehmen eine Orientierungshilfe.

      5. Eine unmittelbare Wirkung erzielen

      Der Weg zur Dekarbonisierung ist lang und komplex – mit Meilensteinen, die noch einige Jahre entfernt sind. Suchen Sie bei der Ausarbeitung Ihres Fahrplans nach Möglichkeiten, eine unmittelbare Wirkung zu erzielen, während Sie an der Umsetzung Ihrer längerfristigen Initiativen arbeiten.

      Sie könnten zum Beispiel in Erwägung ziehen, hochwertige Emissionsgutschriften zu erwerben, um die Emissionen zu kompensieren, die Sie nicht schnell reduzieren können. Emissionsgutschriften finanzieren von unabhängiger Stelle verifizierte Klimaschutzprojekte, die darauf abzielen, Emissionen auf der ganzen Welt zu reduzieren und zu vermeiden.

      Alternativ bieten wir Unternehmen die Möglichkeit, neue Projekte zu finanzieren, um zukünftige Emissionsgutschriften zu sichern.

      Aktuelle Untersuchungen des Ökosystem-Marktes von Forest Trends zeigen, dass Unternehmen, die den freiwilligen Kohlenstoffmarkt nutzen, ihre eigenen Emissionen schneller reduzieren als ihre Mitbewerber:

      • Die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre Emissionen im Vergleich zum Vorjahr reduzieren, ist 1,8 Mal höher.
      • Der durchschnittliche Käufer freiwilliger Emissionsgutschriften investiert dreimal mehr in die Emissionsreduzierung innerhalb seiner Wertschöpfungskette.

      Zu überwindende Hürden

      Die Dekarbonisierung Ihrer betrieblichen Tätigkeit und Ihrer Wertschöpfungskette wird nicht einfach sein. Das liegt nicht nur an der schieren Größe der Aufgabe, sondern auch daran, dass es sich um ein äußerst kompliziertes und technisches Unterfangen handelt.

      Im Rahmen unserer Bemühungen, Unternehmen auf ihrem Weg zur Dekarbonisierung zu unterstützen, haben wir festgestellt, dass sie drei allgemeinen Schwierigkeiten gegenüberstehen:

      Wertschöpfungskette

      Es gibt zwei Hauptgründe dafür, dass die Messung und Überwachung von Emissionen in der gesamte Wertschöpfungskette noch nicht gängige Praxis ist.

      Erstens, weil Wertschöpfungsketten lang, komplex und oft multinational sind. Sie setzen sich zusammen aus:

      • den nachgelagerten Tätigkeiten Ihrer Lieferanten.
      • Ihren vorgelagerten Tätigkeiten, z. B. Vertrieb, Groß- und Einzelhandel, sowie die Verwendung und Entsorgung Ihrer Produkte durch Ihre Kunden.

      Zweitens, weil die Emissionen in der Wertschöpfungskette oft schwer zu beeinflussen sind, da Sie keinen direkten Einfluss darauf haben, auf welche Weise die Unternehmen in Ihrer Wertschöpfungskette die von Ihnen genutzten Produkte und Dienstleistungen bereitstellen. Das mag erklären, warum nur 23 % der Fortune-Global-500-Unternehmen eine vollständige Scope-3-Berichterstattung aufweisen, während mehr als die Hälfte der Unternehmen (55 %) der Fortune Global 500 vereinzelte Maßnahmen zu Scope 3 berichten. Scope 3-Emissionen sind von großer Bedeutung, da sie 90 % der gesamten berichteten Emissionen der Fortune Global 500 ausmachen.

      Kurzfristige ziele setzen

      2050 ist noch ein Vierteljahrhundert entfernt. Aus Unternehmensperspektive ist das noch weit weg. Unternehmen arbeiten in der Regel nicht in 25-Jahres- oder ähnlichen Zyklen.

      Vorstände und Investoren tun sich daher schwer, Entscheidungen zu rechtfertigen, die mit einem hohen Preis verbunden sind, sich aber erst in einigen Jahrzehnten auszahlen. Wir haben jedoch festgestellt, dass es gute Gründe dafür gibt, kurzfristige Ziele wie etwa für 2030 festzulegen.

      Die betrieblichen Emissionen von Unternehmen, die sich ein Ziel für 2030 oder eher gesetzt haben, sind im letzten Berichtsjahr um 7 % gesunken, während sie bei Unternehmen ohne ein solches Ziel um 3 % gestiegen sind (Commitment Issues Report). Nach Berechnungen des UN-Umweltprogramms (UNEP) sind in diesem Jahrzehnt jährliche Emissionssenkungen von 8 % erforderlich, um die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen.

      Frühere Zielvorgaben können für derzeitige Unternehmensführungen ein Anreiz sein, früher zu handeln, da ehrgeizige und erreichbare Ziele Rechenschaftspflichtigkeit bedeuten, und diese wiederum den Wandel vorantreibt.

      Es ist sehr nützlich, eine klare Zielvorgabe zu haben – wie z.B. Net Zero – und es ist entscheidend, die starke Führung und Unterstützung durch den Vorstand und die Führungskräfte zu genießen.
      Laura Barlow | Group Head of Sustainability, Barclays

      Kompetenzlücken

      Die Dekarbonisierung gehört normalerweise nicht zu den Kernkompetenzen eines Unternehmens.

      Den meisten Unternehmen fehlt es an den technischen Fähigkeiten, Ihre Baseline-Emissionen zu berechnen, eine Strategie und einen Fahrplan für die Reduzierung Ihrer CO2-Emissionen zu erstellen und die notwendigen Änderungen vorzunehmen.

      Daher herrscht reger Wettbewerb um die besten Köpfe auf diesem Gebiet, was die Rekrutierung der erforderlichen Experten schwierig – und teuer – macht.

      Jedoch lassen sich durch die Konzentration von Ressourcen auf die Klimastrategie eines Unternehmens bessere Ergebnisse erzielen. Überlegungen und Ratschläge der Nachhaltigkeitsbeauftragten von Fortune-Global-500-Unternehmen wie Barclays, Delta Air Lines, GE und GM finden Sie in unserem Commitment Issues Report.

      Wie wir helfen können

      Schnelles Handeln ist gefragt. Die Zeit drängt, wenn wir dem Klimawandel entgegenwirken wollen: Wir müssen die CO2-Emissionen weltweit bis 2030 mehr als halbieren.

      Climate Impact Partners unterstützt Unternehmen dabei, jetzt Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen – durch Erwerb von Energieattribut-Zertifikaten(EACs) zur Kompensation von Emissionen, die durch die Nutzung von eingekauftem Strom (Scope 2) entstehen, und qualitativ hochwertige Projekte auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt (VCM) zur Kompensation unvermeidbarer Emissionen. Diese Klimaschutzmaßnahmen ergänzen das, was die Dekarbonisierung allein leisten kann.

      Durch die Nutzung des freiwilligen Kohlenstoffmarktes (VCM) finanzieren Sie externe Projekte zur Emissionsreduzierung und legen einen Preis für Kohlenstoff in Ihrem Unternehmen fest. Dies kann den Fokus auf das Erreichen von Dekarbonisierungszielen verstärken.

      Alle externen Reduktionsprojekte im VCM erfüllen die Standards unabhängiger Dritter und sind von unabhängigen Prüfern validiert und verifiziert, um nachzuweisen, dass sie bereits jetzt messbare Emissionsreduktionen erzielen. Sie ermöglichen es einem Unternehmen, seine unvermeidbaren Emissionen zu kompensieren, Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen und den globalen Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu unterstützen.

      Wir arbeiten mit Kunden auf der ganzen Welt zusammen, um sie dabei zu unterstützen, EACs und Emissionsminderungsprojekte von höchster Qualität zu nutzen, um ehrgeizige Ziele zu erreichen und sofortige Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen.

      Möchten Sie mehr darüber erfahren, wie Sie Ihr Unternehmen dekarbonisieren können?

      Wenden Sie sich an unser Expertenteam.

      Kontakt aufnehmen
      Die Rolle einer Führungskraft im Bereich Nachhaltigkeit besteht darin, die erforderliche Energie und Fürsprache einzusetzen, um Fortschritte in diesem Bereich voranzutreiben, auch wenn es für das Unternehmen vielleicht gerade schwierig ist, diesen Weg zu gehen.
      Amelia DeLuca | Nachhaltigkeitsbeauftragte, Delta Air Lines

      Umwandlung ermöglichen

      Kontaktieren Sie uns, um zu erfahren, wie wir Sie bei Ihren Klimaschutzmaßnahmen unterstützen können.